MacTime (Kabelsalat 2.0)

Alle, die auf die Fortsetzung meines Mac-Mini Abenteuers gewartet haben, mag ich nicht enttäuschen und darum hier die Fortsetzung von „Kabelsalat“:

Für diejenigen, die von Büchern (vorzugsweise Krimis) am liebsten nur die letzten zehn Seiten lesen, darf ich das Ergebnis vorweg nehmen. Ja, alles rennt nach einiger Zeit wie geplant, und seither hören wir nahezu nur mehr Internet-Radio bzw. Last FM. Einfach Interpret eingeben und stundenlang darf man Musik aus dieser Ecke hören. Damit keine Missverständnisse entstehen: Nicht nur diesen Interpreten allein, sondern einen bunten Mix von Interpreten, die dem Musikstil des gewählten entsprechen. Über 24 Stunden lange keine Wiederholungen, keine Werbung, keine zwanghaft gute Laune verbreitenden Sonnenschein-Moderatoren, die so tun, als hätten wir 360 Tage im Jahr Ferien und müssten die Zeit mit schwachsinnigen Gewinnspielen tot schlagen. Und was das Beste ist: Passt mal ein Song gar nicht, darf man einfach auf den nächsten weiterschalten. Bei Ö3 würde ich vermutlich auf diesem Button parken, aber hier kommt es so gut wie nie vor, dass ich klicke.

Videos? Da müssen wir uns noch ein wenig vertiefen, aber auch hier zeichnen sich schon feine Lösungen ab.

Aber nun zu den nicht unspannenden Details:

Passenderweise kommt die Lieferung am Freitag und damit ist sicher, dass am Wochenende keine Langeweile aufkommen wird. Die Schachtel ist beängstigend groß, aber nachdem wir im Büro auch einen Mac-Mini haben und ich glücklicherweise weiß, wie lang 15 cm Kantenlänge sind, bestätigt sich meine Vermutung, dass sich meine Frau wieder auf eine Menge Luftpolster-Folien freuen darf, die sie im Herbst zum Einwintern ihrer geliebten Pflanzen verwenden wird.

Step by Step sag ich mir und schließ den Monitorausgang des Mac erst mal via PAL-Konverter an den Fernseher an. Genauer gesagt versuche ich über den Kamera-Input meines Home-Cinema-Systems das Mac-Bild auf den Schirm zu bekommen. Nix.

Klassischer Denkfehler. Mein Röhrenfernseher (alt aber gut) ist per Composite-Signal an die Anlage angeschlossen, aber ich meinte es gut und hab den Mac über S-Video reingehängt. Gut, dass mein Sohn so viele Kabel hat, und nachdem ich den richtigen Ausgang wähle sehe ich etwas am Fernseher. Etwas trifft’s gut, denn die Composite-Umsetzung des Mac-Adapters ist derartig mies, dass man exakto NULL lesen kann und vom Flimmern Augenschmerzen bekommt.

Ich versuch’s darauf hin direkt am zweiten AV-Eingang des Fernsehers und diesmal mit S-Video. Na da schau her, ein satter Qualitätssprung, aber ich seh bald, dass Konfigurieren bei der Qualität ein Vielfaches der Zeit in Anspruch nehmen würde. Also hole ich den 22“ Flat-Screen und die Eleganz von Mac OSX 10.5 springt mich an. Da sind ja plötzlich Farben, die mein Fernseher gar nicht kennt. Ich vergleiche das LCD mit dem eher kontrastarmen, plötzlich verwaschen wirkenden Bild meiner alten Röhre und nehme widerwillig zur Kenntnis, dass nach der EM wohl auch ein Flat-Screen-TV mit HD-Auflösung ins Haus muss (nach der EM werden die Blödmänner und Geizkrägen ihre Restposten vermutlich etwas günstiger abstoßen und Fußball ist mir in jeder Auflösung fast einerlei).

Ich versuch nun, den Sound vom Mac auf die Anlage zu bringen. Der optische Ausgang funktioniert auf Anhieb, aber ich will ja auch Platten digitalisieren und schließ den mitbestellten AD-Konverter an. Der Treiber wird auf CD mitgeliefert und lässt sich problemlos installieren. So sieht es zumindest aus, aber in den i-Tunes oder Audiocity kann ich trotzdem nur das Standard-Soundgerät auswählen. Kein Konverter-Gerät zur Auswahl. Der Treiber meldet zwar keine Fehler, aber nutzen kann ich ihn nicht.

Nach gut einer Stunde Internet-Recherche bin ich schlauer. Ist bei Macs halt auch nicht anders als bei PCs. Die OSX-Version braucht einen aktualisierten Treiber – der auf der mitgelieferten CD ist drei Jahre alt und schlicht unbrauchbar, ohne dass man das so einfach erkennen könnte. Kommt das wem bekannt vor?

Aber nun wird es hell – oder besser laut! Der Mac kann jetzt über den Konverter ausgeben und auch externe Quellen verarbeiten – sprich digitalisieren. Der erste Song, den ich probiere ist Joe Jacksons „You Can’t Get What You Want“. Na wie sinnig, denn das Ergebnis überzeugt mich nicht. Klirrt merklich, aber der Input-Level Regler am Konverter beseitigt das Problem. Lästig ist nur, dass man sich die passende max.-Stellung nicht markieren oder merken kann, denn das Rändelrad bietet keinerlei Anhaltspunkte. Eine Kerbe mit dem Stanley-Messer wäre mir doch etwas zu grob.

Joe Jackson’s Body and Soul bleibt am Plattenteller und nach gut einer Stunde hab ich meine erste Platte im Kasten, sprich auf der Disk, wenngleich das zum Digitalisieren verwendete Audiocity nicht wirklich das Gelbe von Ei ist, aber für den Einstieg recht brauchbar. Werd mich mal bei Zeiten nach was Geschmeidigerem umsehen.

Der Samstag ist mit dem Audio-Zeugs unfassbar kurz geworden und sonntags vormittags mach ich Frühschoppen mit dem Video-Konverter. Ich schließ ihn einerseits an die Firewire-Buchse des Mac an, andererseits an die Cam. Dann starte ich i-Movie, automatisch geht das Video-Capture Fenster mit auf, und ich bin begeistert: Das Cam-Signal wird anstandslos auf dem Bildschirm dargestellt, und ein Klick startet auch schon die Aufnahme. Genial. Ich freu mich – aber leider zu früh. Vom Mac zurück über den Konverter auf den Fernseher will und will es nicht gehen, und den Mac-Bildschirm als Video-Display zu verwenden war nie das Ziel gewesen.

Es dauert einen halben Tag, bis ich schlauer bin und mir klar wird, dass es nicht gerade berauschend viele Möglichkeiten gibt, digitales Video vom Mac auf den Fernseher zu spielen. Das einzige Format, das der Konverter als Output akzeptiert, ist DV, aber kaum eine Software liefert so ohne weiteres dieses Format (zumeist nur teure Videoschnitt-Programme) – man muss schon den digitalisierten Input in diesem Format abspeichern, denn in Echtzeit konvertieren passiert nicht. Zudem brauchen vier Minuten DV-Video gut ein GByte, aber es geht auch nicht drunter, wenn man die Qualität einer durchschnittlichen Fernsehsendung halten will.

Fazit ist, dass alles letztendlich wie erhofft funktioniert. Nicht grad so ganz auf Anhieb und irgendwie doch anders als ursprünglich gedacht, aber ein ordentlicher Lernfaktor war eh einkalkuliert. Ich bin schon zu lange in der EDV tätig, um noch Plug’n Play Illusionen zu haben.

siehe auch: http://www.tub.at

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Eine Antwort to “MacTime (Kabelsalat 2.0)”

  1. Heteveninob Says:

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