New Economy – Anarchie der Geldwirtschaft

14. November 2008

Spätestens seit den letzten Wochen dürfte wohl auch jedem blauäugigem Blinden klar geworden sein, wie die Krankheit unserer Wirtschaft wirklich heißt:

GELDWIRTSCHAFT

Nein, nicht Kapitalismus, nicht freie Marktwirtschaft, nicht Börsen und schon gar nicht der Terrorismus oder aufstrebende Wirtschaftsmächte oder Rohstoffknappheit sind Schuld an dem Debakel, sondern ausschließlich die ungezügelte Gier einiger weniger auf dieser Welt. Die aber haben schon längst bei den ersten Anzeichen ihre Risiko-Beteiligungen abgestoßen (was die Krise ja enorm beschleunigt hat) und haben ihre Reichtümer längst sicher geparkt.

Ok, wissen wir ja eh jetzt schon länger, ist nichts neues, aber was lernen wir daraus?

NICHTS

Es gab bereits in den den 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts ein ähnliches Szenario, welches ursächlich zu den sozialen Verhältnissen geführt hat, die den 2. Weltkrieg ausgelöst haben, aber gelernt haben wir als Gesellschaft wenig bis nichts. Vielleicht, dass wir in wirtschaftsreligiöser Demut es hinnehmen, dass so alle 70-100 Jahre unsere Wirtschaft zusammenbricht.

WAS FÄLLT AUF?

Als Bush an die Regierung kam, bewegten sich die Aktien-Märkte bereits einmal kräftig nach unten und eine wachsame wie kompetente Politik (in allen Industriestaaten wohl gemerkt) hätte bereits damals erkennen können, dass der Spekulationsanteil der Geldwirtschaft in keinem gesunden Verhältnis zur realen Wertschöpfung liegt. Dann kam nine-eleven und hüllte alles in einen undurchdringlichen Nebel aus Angst, Hass und völliger Orientierungslosigkeit. Das war der Moment, in dem die Spekulanten wunderbar in Denkung gehen konnten und ihr Spiel erst so richtig geile Gewinne ablieferte.

„The best time to make money comes, when there is blood on the streets“. Hab ich vor Kurzem im Radio aufgeschnappt und mich darüber geärgert, dass so einfache Wahrheiten so leicht in Vergessenheit geraten. Seit hunderten Jahren ist das so und nachdem Politiker bestens mitverdienen, haben sie auch ein natürliches Interesse an Kriegen.
„Na das ist aber sehr vereinfacht und polemisch. In Wahrheit trifft das so nicht zu und Kriege entstehen nicht nur durch Profit-Interessen der Politik oder einflussreicher Kreise.“ Schneckn. Es ist genau so einfach und mir gehen die Weltverkomplizierer unsagbar auf die Nerven, die mir ständig erklären wollen, dass man etwas so eigentlich nicht sehen kann und die Zusammenhänge doch viel komplexer wären und und und.

WAS WÄRE NÖTIG?

Ich wünsche mir, dass Wirtschaft und Politik endlich transparent und nachvollziehbar werden und dass man sich raschest weltweit auf gültige Regeln einigt, die Stabilität durch Ausgewogenheit gewährleisten und diversen Hypertrophien und hegemonischen Allüren (egal ob wirtschaftlich oder politisch) unüberbrückbare Grenzen setzen. Freie Marktwirtschaft JA, aber mit klaren Spielregeln vor allem für die Geldwirtschaft, deren Flucht nach vorne der letzten Jahre letztendlich zu dem Dessaster geführt hat.
Ich darf den Leser mit den Details dieses größten Pyramidenspiels aller Zeiten verschonen, das hier ist ja kein Börse-Blog aber wen es im Detail interessiert, der möge sich ergoogeln, warum z.B. die in Österreich sehr beliebte Konstruktion der Immofinanz/Immoeast pleite geht, was die Constantia Privatbank da für eine Rolle spielt, welche Personen wie und warum an den Hebeln saßen und rechtzeitig (?) ausgestiegen sind. Nur so viel dazu: Für ein abgezocktes Vermögen von € 80 Mio. lass ich mir auch gerne von ein paar Zeitungen einen Skandal auf die Nase drücken und verdrück mich dann irgendwann in die Schweiz. Das ist allerschlimmste Anarchie derjenigen, die es sich richten können. Jeder versucht so viele wie möglich über den Tisch zu ziehen und wenn es nimmer geht, darf der Staat einspringen. Das ist nicht freie Marktwirtschaft, das ist Betrug.
Ein weiteres Studienobkjekt: Die Kommunalkredit. Ist schon seeehr eigentümlich, dass ein Finanzierungsunternehmen für öffentliche Projekte sich in einem Ausmaß über hoch riskante Spekultaionsgeschäfte finanziert, das jenes üblicher Banken um das fast 100 fache übersteigt. Und zwar – als hätten wir es nicht schon geahnt – mittels einer kleinen Spezialtochter im Steuerparadies Cypern.

Das perverseste daran ist, dass man bei all dem kaum jemanden behelligen wird können. Ja, das gehört auch zur Anarchie dazu. Würde man Bankmanager rückwirkend auf 10 Jahre mit dem eigenen Privatvermögen für derlei Schmarrn haftbar machen, wäre der Zocker-Anteil in den Chef-Etagen überschaubar und nicht wie derzeit 90%.

Eine kurze Bemerkung noch zur Politik: Die ist nicht das Problem, sondern die Politiker sind es. Auch hier möge man sich zu Studienzwecken den Eurofighter-Deal eines recht bekannten Finanzministers in Erinnerung rufen, dessen Genialität Österreich einen unreklamierbaren und unkündbaren Vertrag beschert hat, der unser Land auch dann zur Zahlung verpflichtet hätte, wenn man uns eine Ladung Schrott liefern würde. Und da soll sich noch mal wer über die Lucona aufregen. Erinnert sich noch wer?
Aber die Eurofighter bringen uns wieder auf die Verflechtung zwischen Kriegen, Geld und Politik. Das ist wohl auch für ein neutrales Land wie Östereich so, denn wozu sonst würden wir Milliarden für unbrauchbare Jets ausgeben, wenn nicht die Politiker sich bereichern könnten?

MacTime (Kabelsalat 2.0)

17. August 2008

Alle, die auf die Fortsetzung meines Mac-Mini Abenteuers gewartet haben, mag ich nicht enttäuschen und darum hier die Fortsetzung von „Kabelsalat“:

Für diejenigen, die von Büchern (vorzugsweise Krimis) am liebsten nur die letzten zehn Seiten lesen, darf ich das Ergebnis vorweg nehmen. Ja, alles rennt nach einiger Zeit wie geplant, und seither hören wir nahezu nur mehr Internet-Radio bzw. Last FM. Einfach Interpret eingeben und stundenlang darf man Musik aus dieser Ecke hören. Damit keine Missverständnisse entstehen: Nicht nur diesen Interpreten allein, sondern einen bunten Mix von Interpreten, die dem Musikstil des gewählten entsprechen. Über 24 Stunden lange keine Wiederholungen, keine Werbung, keine zwanghaft gute Laune verbreitenden Sonnenschein-Moderatoren, die so tun, als hätten wir 360 Tage im Jahr Ferien und müssten die Zeit mit schwachsinnigen Gewinnspielen tot schlagen. Und was das Beste ist: Passt mal ein Song gar nicht, darf man einfach auf den nächsten weiterschalten. Bei Ö3 würde ich vermutlich auf diesem Button parken, aber hier kommt es so gut wie nie vor, dass ich klicke.

Videos? Da müssen wir uns noch ein wenig vertiefen, aber auch hier zeichnen sich schon feine Lösungen ab.

Aber nun zu den nicht unspannenden Details:

Passenderweise kommt die Lieferung am Freitag und damit ist sicher, dass am Wochenende keine Langeweile aufkommen wird. Die Schachtel ist beängstigend groß, aber nachdem wir im Büro auch einen Mac-Mini haben und ich glücklicherweise weiß, wie lang 15 cm Kantenlänge sind, bestätigt sich meine Vermutung, dass sich meine Frau wieder auf eine Menge Luftpolster-Folien freuen darf, die sie im Herbst zum Einwintern ihrer geliebten Pflanzen verwenden wird.

Step by Step sag ich mir und schließ den Monitorausgang des Mac erst mal via PAL-Konverter an den Fernseher an. Genauer gesagt versuche ich über den Kamera-Input meines Home-Cinema-Systems das Mac-Bild auf den Schirm zu bekommen. Nix.

Klassischer Denkfehler. Mein Röhrenfernseher (alt aber gut) ist per Composite-Signal an die Anlage angeschlossen, aber ich meinte es gut und hab den Mac über S-Video reingehängt. Gut, dass mein Sohn so viele Kabel hat, und nachdem ich den richtigen Ausgang wähle sehe ich etwas am Fernseher. Etwas trifft’s gut, denn die Composite-Umsetzung des Mac-Adapters ist derartig mies, dass man exakto NULL lesen kann und vom Flimmern Augenschmerzen bekommt.

Ich versuch’s darauf hin direkt am zweiten AV-Eingang des Fernsehers und diesmal mit S-Video. Na da schau her, ein satter Qualitätssprung, aber ich seh bald, dass Konfigurieren bei der Qualität ein Vielfaches der Zeit in Anspruch nehmen würde. Also hole ich den 22“ Flat-Screen und die Eleganz von Mac OSX 10.5 springt mich an. Da sind ja plötzlich Farben, die mein Fernseher gar nicht kennt. Ich vergleiche das LCD mit dem eher kontrastarmen, plötzlich verwaschen wirkenden Bild meiner alten Röhre und nehme widerwillig zur Kenntnis, dass nach der EM wohl auch ein Flat-Screen-TV mit HD-Auflösung ins Haus muss (nach der EM werden die Blödmänner und Geizkrägen ihre Restposten vermutlich etwas günstiger abstoßen und Fußball ist mir in jeder Auflösung fast einerlei).

Ich versuch nun, den Sound vom Mac auf die Anlage zu bringen. Der optische Ausgang funktioniert auf Anhieb, aber ich will ja auch Platten digitalisieren und schließ den mitbestellten AD-Konverter an. Der Treiber wird auf CD mitgeliefert und lässt sich problemlos installieren. So sieht es zumindest aus, aber in den i-Tunes oder Audiocity kann ich trotzdem nur das Standard-Soundgerät auswählen. Kein Konverter-Gerät zur Auswahl. Der Treiber meldet zwar keine Fehler, aber nutzen kann ich ihn nicht.

Nach gut einer Stunde Internet-Recherche bin ich schlauer. Ist bei Macs halt auch nicht anders als bei PCs. Die OSX-Version braucht einen aktualisierten Treiber – der auf der mitgelieferten CD ist drei Jahre alt und schlicht unbrauchbar, ohne dass man das so einfach erkennen könnte. Kommt das wem bekannt vor?

Aber nun wird es hell – oder besser laut! Der Mac kann jetzt über den Konverter ausgeben und auch externe Quellen verarbeiten – sprich digitalisieren. Der erste Song, den ich probiere ist Joe Jacksons „You Can’t Get What You Want“. Na wie sinnig, denn das Ergebnis überzeugt mich nicht. Klirrt merklich, aber der Input-Level Regler am Konverter beseitigt das Problem. Lästig ist nur, dass man sich die passende max.-Stellung nicht markieren oder merken kann, denn das Rändelrad bietet keinerlei Anhaltspunkte. Eine Kerbe mit dem Stanley-Messer wäre mir doch etwas zu grob.

Joe Jackson’s Body and Soul bleibt am Plattenteller und nach gut einer Stunde hab ich meine erste Platte im Kasten, sprich auf der Disk, wenngleich das zum Digitalisieren verwendete Audiocity nicht wirklich das Gelbe von Ei ist, aber für den Einstieg recht brauchbar. Werd mich mal bei Zeiten nach was Geschmeidigerem umsehen.

Der Samstag ist mit dem Audio-Zeugs unfassbar kurz geworden und sonntags vormittags mach ich Frühschoppen mit dem Video-Konverter. Ich schließ ihn einerseits an die Firewire-Buchse des Mac an, andererseits an die Cam. Dann starte ich i-Movie, automatisch geht das Video-Capture Fenster mit auf, und ich bin begeistert: Das Cam-Signal wird anstandslos auf dem Bildschirm dargestellt, und ein Klick startet auch schon die Aufnahme. Genial. Ich freu mich – aber leider zu früh. Vom Mac zurück über den Konverter auf den Fernseher will und will es nicht gehen, und den Mac-Bildschirm als Video-Display zu verwenden war nie das Ziel gewesen.

Es dauert einen halben Tag, bis ich schlauer bin und mir klar wird, dass es nicht gerade berauschend viele Möglichkeiten gibt, digitales Video vom Mac auf den Fernseher zu spielen. Das einzige Format, das der Konverter als Output akzeptiert, ist DV, aber kaum eine Software liefert so ohne weiteres dieses Format (zumeist nur teure Videoschnitt-Programme) – man muss schon den digitalisierten Input in diesem Format abspeichern, denn in Echtzeit konvertieren passiert nicht. Zudem brauchen vier Minuten DV-Video gut ein GByte, aber es geht auch nicht drunter, wenn man die Qualität einer durchschnittlichen Fernsehsendung halten will.

Fazit ist, dass alles letztendlich wie erhofft funktioniert. Nicht grad so ganz auf Anhieb und irgendwie doch anders als ursprünglich gedacht, aber ein ordentlicher Lernfaktor war eh einkalkuliert. Ich bin schon zu lange in der EDV tätig, um noch Plug’n Play Illusionen zu haben.

siehe auch: http://www.tub.at

Kabelsalat …

17. August 2008

Seit meine Sat-Anlage von analog auf digital erneuert wurde, schau ich regelmäßig DELUXE music-TV, was mich als ein etwas älteres Semester outet. Mal davon abgesehen, dass meine alte Anlage gut in Schuss war und ich kaum Verbesserungen in der Qualität von Bild und Ton ausmachen kann, habe ich jetzt halt 400 statt 100 Kanäle auf denen Soaps, Brechstangenunterhaltung und Schwachsinn digitalisiert in mein Wohnzimmer poltern. Die Menge nimmt zu, das Niveau des Gebotenen sinkt in der Relation dazu. Bei dem Angebot wäre ich locker auch analog glücklich geworden und die Vermutung, dass nicht wir, sondern nur der ORF von dieser Digitalisierung profitiert, ist schon Gewissheit, denn ich musste mir neue Geräte kaufen und noch mal knapp 80 Euro für jede Decoder-Karte berappen. Bei geschätzten 3 Mio. Karten in Österreich ein schöner Patzen Geld. Und von der Digitalität spür ich weiter exakt null, denn ich hab genau den gleichen Kabelsalat wie bisher um alles auf meine 5-Kanal Home-Video-Anlage zu bringen.

Also ich sitz jetzt da in meinem Wohnzimmer, starre auf meinen „Medienschrank“ mit CD-Wechsler, DVD-Player, S-VHS-Recorder, Fernseher, Plattenspieler, Sat-Empfänger und so an die 100 alten Vinyl-Scheiben aus meiner Rocky-Horror-Picture-Ära und lass mich von DELUXE Musik-Videos berieseln. Ich denk mir: „Viel Metall für das digitale Zeitalter“ und schiele auf meinen USB-Stick, auf den ungefähr so viel Musik passt, wie 2 Quadratmeter hochgestellten Vinyls in meinem Schrank beinhalten. Ich krieg in meinem Frust noch eines drauf, denn DELUXE bringt eine Werbung über das „NOXON Internet-Radio“ von Terratec. Super, sowas wollt ich schon seit gut 5 Jahren. Beliebig Musik und Videos aus dem Internet direkt ohne mein Notebook (dessen Audio-Ausgang die Qualität eines Telefonhörers hat) direkt auf die Stereo/Video-Anlage. Natürlich auch mit einer Möglichkeit, beliebig zwischenzuspeichern und eigene Collections zu machen. Internet-Musik und TV per Fernbedienung sozusagen, den alten Krempel digitalisieren, speichern und weg mit den Staubfängern. Für unterwegs kurz den MP3-Stick rein, meine aktuellen Favourites kopiert und tschüss. Schluss mit vagabundierenden leeren CD-Boxen, vogelfreien CD-Kopien ohne Beschriftung und einen guten Quadratmeter mehr für Kunst im Wohnzimmer.
Ich begebe mich also auf die Suche und nach fast 5 Stunden Internet-Recherche bei Google, Geizhals und noch 2 Dutzend anderen Plattformen bin ich am Boden angekommen. Aus die Maus. Die Auswahl an Geräten ist gleichsam überschaubar wie unbefriedigend. Das Noxon Internet-Radio mit iPod-Connector ist auf den ersten Blick am ehesten die richtige Richtung, aber bei näherer Betrachtung doch eher was für ein smartes Studenten-Appartement. Kein Speichern, kein Digitalisieren analoger Quellen, kein Video, dafür ein eingebauter Verstärker, den ich nicht brauch, usw.

iPod und iPhone können angeblich eh alles nur nicht das, was ich mir wünsche, denn auf Videos in 8 x 4,5 cm Größe bin ich im Wohnzimmer nicht scharf und für etwaige Untertitel bräuchte ich ein Mikroskop, aber die Audio-Welt funktioniert da schon sehr geschmeidig.

Die Beschäftigung mit Apple-Produkten (ein echtes Schwellen-Erlebnis für PC-Recken alter Schule) führt mich dann allerdings doch auf interessante Spuren. Weitere 2 Stunden mühsames Zusammensuchen, Beschreibungen lesen und gut 15 Produkte in den Warenkorb der Apple-Internet-Site legen führt hoffentlich doch noch zu einem guten Ende. Nach der notwendigen Bereinigung des Warenkorbs (an dieser Stelle ein schnelles Kompliment an die Apple-Site und den Shop dort) bleiben 6 Trümmer übrig: Ein Mac mini in Vollausbau, ein DVI to PAL Konverter, ein Audio Digitalisierer, ein Video-Digitalisierer, eine Funktastatur und eine Funkmaus. Der Mac mini wird mit Fernsteuerung ausgeliefert und ich hoffe sehr, dass ich damit mehr als rebooten kann.

Die Idee ist folgende: Der Mac mini ist per WLAN am Internet (was wär die Welt ohne Flat Rates?) und sein Videoausgang geht via Konverter auf einen der Eingänge meiner Home-Video-Anlage. Wenn ich etwas aus dem Internet hören/sehen will, wähle ich den richtigen Input am Receiver und stell mir per Mac-Fernbedienung oder halt konventionell mit Maus und Tastatur das gewünschte ein, und das war es auch schon. Will ich was vom Sat oder schnöden terrestrischen Radio aufnehmen, lass ich es über einen der Digitalisierer in den Mac rennen und kann es anschließend abrufen oder auf externe USB-Festplatte kopieren. – Neinnein, alles legal und unter Wahrung der Urheber- und Vertriebsrechte. Ich mag keine Kavaliersdelikte gegenüber Künstlern, wenngleich mir bewusst ist, dass es das große Geld selten ganz bis zu den Künstlern schafft, sondern in den sogenannten fetten Medien-Konzernen uninspirierte Schreibtischtäter nährt.

Meine Frau grinst nur, als ich mit ein wenig Schweiß auf der Stirn und den Worten: „Ich mach jetzt, glaub ich, einen Blödsinn“ den ultimativen Button des Apple-Shops klicke und meine Kreditkarte mit satten 1.500 Euro belaste. Das Zeugs kommt in 2 bis 3 Wochen und wird meinen Kabelsalat vorerst wohl eher vermehren. Die Leser dürfen gespannt sein.

siehe: http://www.tub.at

The Day After

17. August 2008

Ja, so ungefähr wie in diesem Film war unser Lebensgefühl nach einem echten Supergau vor zwei Wochen.

Ein Lüfter unseres Server-Racks war verstorben, was einen Tag lang unbemerkt blieb und die Festplatten unseres Web-Servers und angeschlossenen Sicherungsserver (der auch gleichzeitig Notfallsserver spielt) derart überhitzte, dass sich binnen 30 Minuten insgesamt vier Platten auf zwei Geräten verabschiedeten. Während wir mit der Fehlerursache des ersten Ausfalls beschäftigt waren, durften wir gleich die nächsten Dropouts bewundern. Kein gutes Gefühl, seinen Ressourcen beim Sterben zuzusehen. Und das an einem Dienstag etwa 16:00 und Rushhour in den Web-Services.

Glücklicherweise hatten wir einen Worst-Case-Plan, der dann doch noch irgendwie zog: Firewall umkonfigurieren, Kabel umstecken und den Archiv-Server im Nebenraum ans Netz stellen. Der hatte zwar nur etwa drei Monate alte Daten drauf, aber egal, wir waren zumindest wieder sichtbar am Leben.

Doch der dicke Fisch lag noch vor uns. Lüfter tauschen, Geräte mit neuen Festplatten ausstatten, technisch erweitern und verbessern, Systeme frisch aufsetzen und dann das mühsamste: Datenbestand aus ca. 17 diversen Sicherungsläufen Schritt für Schritt auf den möglichst aktuellen Stand wieder rekonstruieren. Laienhafterweise würde man vermuten, dass modere Backup-Software da eine gute Hilfe ist und mal abgesehen von Bandwechseln kaum was zu tun wäre, aber dem ist bei weitem nicht so. Ich hab mich ungezählte Male gefragt, wozu wir fast 2.000 € für angeblich erstklassige Backup-Software ausgegeben haben, wenn das Ding dann so unintelligent und schwerfällig in der Bedienung ist und noch dazu zum Einschlafen langsam (was um 4 Uhr morgens echt schon ein Problem darstellt).

OK, Schwamm drüber. 24 Stunden später waren wir mit 99% des ursprünglichen Datenstandes und erneuerten Maschinen wieder am Netz, aber die restlichen 1% Brösel brauchten dann doch noch eine Woche Aufräumungsarbeiten. Vornehmlich Änderungen der letzten 14 Stunden vor dem Crash nachführen und Anpassungen an die mit der Neuinstallation verbundenen Versionsupgrades vorzunehmen, welche sich leider doch nicht so abwärtskompatibel verhalten wie erhofft. Ich sage nur $_SERVER[‚ORIG_PATH_TRANSLATED‘] und die PHP-Spezis werden wissend den Kopf nicken. Auch so Kleinigkeiten wie Web-Statistik und Crawler mussten völlig neu konfiguriert werden.

Erschwerend kam hinzu, dass wir zwei Tage nach dem Crash die Präsentation eines neuen Karriereportals für einen unserer Kunden unterstützen mussten, und der Tag davor für die Abnahmetests vorgesehen war. Wir haben daher bis knapp vor dem Absturz noch heftig an den Dingen gefeilt… Alles weg, alles nochmals am Dienstag neben den Aufräumungsarbeiten nachprogrammieren (was allerdings schon deutlich flotter ging, als beim ersten Mal), am Mittwochvormittag Abnahmetests, bis 14:00 noch Feilen und Polieren, um 14:00 Präsentation – Augen zu und durch. Alles gut gegangen, das Publikum mochte es, die kleinen Löcher wurden anders als beim Golf elegant umspielt.

Nun ja, es ist vorbei und ein bisserl stolz sind wir schon, eine solche Katastrophe gemeinsam bewältigt zu haben. Großes Lob und Dankeschön an dieser Stelle an das Team – viel geschlafen haben wir in der Woche nicht, und trotzdem lagen die Nerven nicht blank, sondern es wurde professionell und strukturiert gearbeitet. In solchen Situationen merkt man, wen man da um sich hat, wie viel Sicherheit einem engagierte Menschen geben können, die mit erstaunlicher sozialer Kompetenz Dinge einfach anpacken. Ich will niemanden hervorheben – alle waren sie großartig.

Gilt natürlich auch für unsere Kunden.
DANKE.

An unsere Kunden, die allesamt sehr fein und angemessen reagiert und uns später auch teilweise bei den Aufräumungsarbeiten unterstützt haben, wenngleich wir schon bemerken konnten, dass auch sie fallweise einigem Druck ausgesetzt waren.

Was haben wir gelernt? Festplatten-Arrays sollten mindestens doppelt gekühlt werden, Kühlungen sind viel wichtiger als man sie üblicherweise wahrnimmt und redundante System werden schneller kritisch als einem das lieb ist. Wer rechnet schon damit, dass vier Festplatten in einer halten Stunde perdu gehen? Kann aber passieren. Wie ein Tornado aus heiterem Himmel.

Was hat uns am meisten geschmerzt? Mal abgesehen davon, unseren Kunden Unannehmlichkeiten bereitet zu haben, die Tatsache, dass für diese Woche eigentlich eine Systemumstellung geplant war, wo wir unsere Services auf mehrere Server verteilt aufsetzen wollten, wobei diese Server einander laufend gegenseitig abgleichen. Wäre das drei Wochen später passiert, hätte kein Kunde was davon mitbekommen. Schicksal. So haben wir das jetzt eben nolens volens vorgezogen. Also lieber Kunde, derartiges sollte nach menschlichem Ermessen nicht mehr vorkommen.

Worüber haben wir nachgedacht? Wie wichtig die ständig aktuelle Web-Präsenz für Unternehmen heute geworden ist, sodass es problematisch wird, wenn es mal 24 Stunden nur Notbetrieb gibt. Vor nicht mal zwölf Jahren hatten nur drei unserer heutigen Kunden überhaupt eine Web-Site. Ein E-mail, das heute nicht binnen 24 Stunden beantwortet wird, lässt eine Firma nicht gut aussehen, vor zehn Jahren hat sich kaum jemand daran gestoßen, wenn eine Anfrage erst gut eine Woche später beantwortet wurde.

Wo führt das hin? Werden E-mails in zehn Jahren innerhalb von zwei Minuten von irgendeinem KI-System beantwortet werden? Menschen werden das wohl nicht mehr zu Stande bringen. Vielleicht sitzen wir dann in den Büros in kleinen Gruppen vor den Servern und versuchen gemeinschaftlich die Zukunft aus dem Lichterspiel der Server-Kontrollleuchten zu deuten? Vielleicht haben wir dann auch wieder mehr Zeit dafür, uns als Menschen zu empfinden.

siehe: http://www.tub.at

Bin Weblin geworden …

17. August 2008

Meine Karriere als Cyber-Sandler

Schon gehört / gesehen? Weblin.
Weblins sind eine lustige Idee der Hamburger Firma Zweitgeist, die es erlaubt, mit Hilfe eines Avatars auf den Web-Sites, die man so besucht, „herumzulungern“. Hab mich also ordentlich registriert, mir ein Plugin runter geladen, installliert und schon war in meinem Firefox unten links eine Figur eines jungen Mannes mit Jeans. Mein Zweit-Ich sozusagen.
Mal abgesehen davon, dass der Kerl a bisserl patschert da steht, begleitet er mich auf allerlei Web-Sites, die ich besuche und ist alsbald im Wege. Click and draw denk ich mir und versuch ihn wo anders zu parken, aber statt dessen latscht er gemütlich auf der Grundlinie des Fensters ein bisserl nach links. Die rechte Maustaste zeigt mir, dass ich eine Sprechblase öffnen kann. Die geht dann auch auf…?? Aaaha.
Ich gehe also wieder auf die Weblin-Site, um zu erfahren, was sich die Zweitgeistler da so gedacht haben und plötzlich ist mein Avatar von allerlei bunten Gestalten beiderlei Geschlechts umzingelt. Ich beginn mich stellvertretend für ihn zu fürchten und werd auch schon angequatscht. „Neu hier?“ „Äh – ja“. Ich beginne zu begreifen, dass ich hier andere „Weblins“ – also Avatare anderer Besucher dieser Site – sehe, und beobachte das Treiben ein wenig. Die machen allerlei Blödsinn, springen und watscheln herum, versuchen sich in seltsamen, schwer deutbaren Gesten usw. Eine ziemlich aufreizend ausgestattete Avatarin will mich „wuscheln“. „Was ist das?“ „Sowas wie drücken.“ „Armdrücken? Nein OK, versteh schon.“ Ich lass meine Wortwitzelei, denn das ausschließlich deutsche Publikum ist damit wohl nicht so vertraut. Sie lädt mich zu einem privaten Chat ein, ich lass meinen Avatar jubeln, es öffnet sich ein Chatfenster und der Rest ist etwa so, wie man es von MSN kennt.
Ich klick mich noch ein wenig durch weblin.com und stoße auf „Topcloud“ – eine Liste von Web-Sites, die andere Weblins gerade besuchen. Beeindruckend lange Liste und ich stolpere über irgendwas mit bdsm im Namen. Ein Klick führt mich dort hin und es ist das, was ich vermutet habe. Na da schau her, meine Wuschel-Maus von vorhin ist auch hier. So erfahr ich unerhofft was über ihre Vorlieben.

Nun ja, eine nette Idee – schon aber irgendwie auch ein wenig … weiß nicht … kindlich. Ich finde es zwar amüsant und es hat was, aber auf Dauer ist es mir zu umständlich.
Und wie dreh ich das jetzt wieder ab? Nach einigem Suchen bemerke ich ein neues Symbol in der Task-Leiste und das war’s dann. Aber keine Angst, beim nächsten Neustart des Rechners ist der Kerl wieder da …

Wie hat Othmar Hill 1995 bei einem Vortrag treffenderweise gesagt: „In spätestens 15 Jahren werden wir zu 75% unserer Arbeitszeit beschäftigt sein und nur mehr zu 25% wirklich arbeiten …“


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